BOESCHE – vom Lotterie-Kiosk zum Versandhaus für Glück

Es gibt Menschen, die behaupten, Glücksspiel sei in Wirklichkeit das älteste Gewerbe der Welt – wenigstens das zweitälteste. Fakt ist, dass es Lotteriespiele und Auslosungen, die über Reichtum, Ehre oder sogar das Leben entscheiden, seit jeher gibt. Auch Johann Peter Boesche, der bereits in vierter Generation das Unternehmen führt, glaubt: „Das Glücksspiel ist für die Menschen fast so wichtig wie Wasser und Brot. Das steckt einfach in uns“.

Als wichtige Hafenstadt ist Hamburg für viele das Tor zur Welt, ein Ort, geprägt von Unternehmermut und Menschen, die ihr Glück suchen. So verwundert es kaum, dass gerade hier die erste staatliche Lotterie mit Geldgewinnen – somit die älteste Staatslotterie auf deutschem Boden überhaupt – stattfand. 1614 wurde die erste Ziehung durchgeführt, ab 1732 im Klassensystem gespielt. Ab 1743 führte Hamburg das System der Kollekteure ein, das den heutigen Lotterie-Einnehmern entspricht.

Hamburger Kaufmannstugenden

Das erste und einzige Unternehmen, das im Jahr 1805 das Privileg erhielt, Lose der staatlichen Lotterie in Hamburg zu vertreiben, war das Kiosk am Neuen Wall, das Carl Gustav Boesche 1780 erwirbt. Bereits 1776 war es als stationäres Geschäft für Papier- und Schreibwaren unter dem Namen Haupt & Voges gegründet worden, und war einer der ersten Schreibwarenläden überhaupt. Aus den umliegenden Stadtteilen kamen Kunden, um dort Stifte, Papier usw. zu kaufen. Dort hatte sich Carl Gustav Boesche in nur fünf Jahren vom Adressenschreiber zum Geschäftsführer hochgearbeitet.

Im Jahr 1914, unmittelbar vor Beginn des Ersten Weltkriegs, übergab er das Unternehmen an seinen Sohn. Gustav Erich Boesche übernahm das Geschäft trotz einer schweren Verwundung und führte es ab 1917 wieder zum Erfolg. Der Krieg hatte verheerende Spuren in der Stadt hinterlassen, auch bei Boesche ging es jetzt um den Wiederaufbau. Nach dem Zweiten Weltkrieg, ab 1950, wurde das Unternehmen von Gustav Carl Eduard Boesche geleitet. Er wagte in den Folgejahren erste Schritte in Richtung Expansion und Modernisierung. Unter seiner Führung wurde eine in München ansässige SKL-Lotterie-Einnahme übernommen und die ersten Computer wurden in der Kundenbetreuung eingesetzt. Seinem Unternehmergeist ist es zu verdanken, dass die Staatliche Lotterie-Einnahme Boesche die turbulenten Jahrzehnte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gemeistert hat und am Aufschwung im Nachkriegsdeutschland teilhaben konnte.

Von Hamburg in die Welt

Doch keines seiner 6 Kinder hatte Interesse daran, die Lotterie-Einnahme weiterzuführen. Kurzerhand wurde Neffe Johann Peter Boesche gefragt, der damals gerade sein BWL-Studium abschloss und schließlich 1989 als Diplom-Kaufmann in das Unternehmen einstieg. Er übernahm die Münchener Filiale, als Geschäftsführer kaufte er weitere Lotterie-Einnahmen hinzu und setze technologische Neuerungen um. Der stationäre Verkauf rückte zunehmend in den Hintergrund, Boesche wurde immer mehr zum „Versandhaus für Glück“.

Zeitweise vertrieb das Unternehmen Lose der NKL- und SKL-Lotterie in 100 Länder, beschäftigte bundesweit 300 Mitarbeiter, hundert davon in Hamburg. Mit dem Glücksspielstaatsvertrag im Jahr 2008 kam der erste Bruch: Die Vertriebs- und Werbemöglichkeiten wurden so stark eingeschränkt, dass die Firma gezwungen war, sich extrem zu verkleinern. Hinzu kam, dass seit Mai 2017 keine Lose mehr außerhalb Deutschlands verkauft werden dürfen. Beirren ließ sich Boesche davon jedoch nicht: Es werden weiter Lose verkauft, aktuell versuchen monatlich hundertausende Spieler ihr Glück. Als älteste Lotterie-Einnahme Deutschlands gehört Boesche heute zu den drei größten.

Übrigens: Dafür, dass die Erfolgsgeschichte des ursprünglichen Lotterie-Kiosks Boesche auch noch die nächsten 200 Jahre weitergeht, ist der Grundstein bereits gelegt. Johann Peter Boesches Söhne möchten beide in die Fußstapfen ihres Vaters treten.

 

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