Glück ist mehr als Wahrscheinlichkeitsrechnung

Wussten Sie, dass Boesche die älteste Lotterie-Einnahme Deutschlands ist und zu den drei größten staatlichen Lotterie-Einnahmen im Land zählt?
Doch wer steckt eigentlich dahinter? Und kennen die Köpfe hinter der Lotterie die Gewinner eigentlich persönlich? In unserem Interview lernen Sie unseren Inhaber Johann Peter Boesche etwas näher kennen…

Seit über 200 Jahren macht Ihre Familie bereits Millionäre. Glauben Sie an Glück?

Ich bin überzeugt, dass Gewinnen nicht nur mit Mathematik zu tun hat. Meine Glückszahl ist die 13 und die ist zum Beispiel auch unsere „Firmenzahl“, unsere Hausnummer und meine Durchwahl. Hinter Glück steckt für mich mehr als nur Wahrscheinlichkeitsrechnung. So trug auch schon das erste Geschäft der Familie An der Alster die Hausnummer 13. Ob ich an Glück glaube? Ich glaube an die Kraft der Zahlen.

Johann Peter Boesche
Foto: Johann Peter Boesche

Das klingt, als hätten Sie sich viel mit dem Thema beschäftigt. Wollten Sie schon immer diesen Job machen, eine Lotterie führen?

Nein, überhaupt nicht. Mein Onkel hat sechs Kinder, aber keins davon wollte die Nachfolge antreten und die Geschicke unserer Einnahme lenken. Ich habe BWL studiert, genau zu meinem Studienabschluss kam das Angebot von meinem Onkel. Eigentlich wollte ich zu VW gehen, wo ich bereits meine Abschlussarbeit geschrieben hatte. Mein Onkel hat mich dann zu einem Praktikum überredet. Offen gestanden: Bis dahin konnte ich mit dem Thema „Lotterie“ nichts anfangen. Es war mein Glück, dass er mich gefragt hat. Ich habe meine Erfüllung in dem Beruf gefunden.

 

Das Familiäre zeichnet uns aus

War es schwer für Ihren Onkel, das Geschäft loszulassen?

Nein, ich hatte es relativ einfach, das Ruder zu übernehmen. Mein Onkel war damals schon 67 Jahre alt. Da war die Lust, sich mit mir auseinanderzusetzen, nicht mehr so groß. Aber es ist ja immer so, dass sich die nachfolgende Generation irgendwann durchsetzen und zeigen muss, dass die unternehmerischen Qualitäten für die Leitung da sind. Dann kommt es zum Showdown, wo man sich beweisen muss, damit man nicht mit 50 immer noch der Junior ist.

Wie geht es nach Ihnen weiter?

Derzeit möchten beide Söhne das Geschäft übernehmen und weitermachen, beide schlagen in diese Richtung, ich habe Glück.

Was meinen Sie, wird es Ihnen schwerfallen, das Zepter weiterzugeben?

Ich hatte mir das immer einfach vorgestellt. Aber je älter man wird, desto mehr schätzt man den Wert der eigenen Arbeit, desto schwieriger wird es abzugeben. Auch wenn meine Söhne besser ausgebildet sind, für mich bleiben sie immer (meine) Kinder. Da ist man immer voreingenommen.

Reden Sie mit Ihrer Familie über solche Dinge? Ist das Geschäft Gesprächsthema auf Familienfeiern?

Ja, die Firma ist schon der Mittelpunkt in der Familie. Es wird immer danach gefragt, viele kommen und geben Tipps. Es ist schon eine schöne Position in der Familie, wenn man der Leiter der Lotterie-Einnahme ist.

Können Sie Erfahrungen aus dem Familienleben in das Unternehmen einbringen?

Es gibt Parallelen zwischen Familie und Unternehmen. Man muss strategisch vorgehen, planen, ständig alles neu bewerten und sich selbst verbessern. Beides sind schöne Herausforderungen – ich möchte keine von beiden missen. Familie zu haben, ist ein Geschenk.

Was unterscheidet Boesche von anderen Lotterie-Einnahmen?

Ich würde sagen, genau dieses familiäre Verhältnis. Egal ob Kunde oder Mitarbeiter, wir gehen immer fair miteinander um. Meine Tür steht immer offen, ich kenne jeden Angestellten persönlich, einige sind schon 45 Jahre bei uns. Genauso wichtig ist mir auch jeder unserer Kunden: Ich beglückwünsche jeden Gewinner persönlich und auch wenn es einmal zu einer Beschwerde oder Nachfrage kommt – es ist mir eine Herzensangelegenheit, mir persönlich anzusehen, was wir für unsere Kunden tun können. Das ist bei den anderen großen Lotterie-Einnahmen nicht üblich. Ich finde, man muss jeden Menschen ernst nehmen, jeden anständig behandeln, ob Bote oder Leiter des Kundenservice. Das ist mir wichtig.

Das heißt, Sie würden bei Boesche spielen?

Selbstverständlich, aber das darf ich nicht. Hin und wieder macht es mir Spaß, woanders mein Glück zu versuchen. Grundsätzlich würde ich immer auf Klassenlotterie setzen, weil die Ausschüttungsquote so gut ist. Deshalb haben wir sie früher auch als „Versicherung aufs Glück“ bezeichnet.

Welche Träume hat ein Lotterie-Betreiber?Was würden Sie mit einem Gewinn machen? Haben Sie einen Wunsch, den Sie sich noch erfüllen möchten?

Wenn ich jetzt viel gewinnen würde, würde ich mal etwas Dummes machen, zum Beispiel ein Motorboot kaufen. Eigentlich bin ich eher ein Vernunftmensch und zu sehr Hanseat, um mir so was zu leisten. Aber bei einem Lotterie-Gewinn würde ich sagen, das war halt Glück.

 

Es gab schon viele unglaubliche & schöne Zufälle

 

Allein in der ersten Woche des neuen Jahres 2018 haben Boesche-Kunden fast eine halbe Million Euro gewonnen. Ist Ihnen ein Gewinner besonders in Erinnerung geblieben?

Das ist schon etwas länger her, aber es gab einen Mann, der 100.000 Euro gewonnen hat. Wir haben hier bei mir im Büro lange darüber geredet und ich habe ihm persönlich Tipps gegeben, wie er mit der plötzlichen Veränderung in seinem Leben umgehen kann. Trotzdem hat er auf eine Barauszahlung bestanden. Als Hamburger Unternehmer fiel es mir nicht schwer, auf die Verlockungen, die das Nachtleben unserer Stadt bereithält, hinzuweisen – doch am Ende hat er das ganze Geld in nur einer Nacht auf dem Kiez ausgegeben. Am nächsten Morgen stand er weinend wieder vor der Tür und hat gefragt, was er jetzt machen und wie er das nun seiner Frau erklären soll.

Ein anderes Mal wollte der Gewinner eines gelben Porsches seinen Preis nicht mit nach Hause nehmen. Er war Bürgermeister in einem kleinen Dorf, das hätte sofort für Gesprächsstoff gesorgt. Er wollte lieber den Geldgewinn haben, allerdings wollte Porsche das Auto wegen der ungewöhnlichen Farbe nicht zurücknehmen.

In den ganzen Jahren habe ich wirklich schon viele verrückte, schöne und unglaubliche Zufälle erlebt. So hat zum Beispiel ein weiterer Gewinner 25.000 € gewonnen und konnte dieses Glück nicht für sich behalten. Viele Leute haben ihn um Hilfe gebeten und er hat seinen Gewinn großzügig verteilt, nicht viel ist übrig geblieben. Ein paar Jahre später hat er wieder gewonnen und mir persönlich versprochen, beim zweiten Mal besser damit umzugehen.

Gibt es einen Rat, den Sie Gewinnern geben?

Ja, ich rate immer zu Zurückhaltung. Viel Geld bringt oft viele „Freunde“.

Vielen Dank für das Gespräch!
Haben Sie Fragen, die Sie Johann Peter Boesche stellen möchten? Oder wollen Sie mehr rund um das Thema Klassenlotterie erfahren?
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